| Hier finden Sie Bilder vom Gottesdienst zum Altstadtfest 2004 |
Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder aus der kath. Kirchengemeinde St. Magdalena und der evangelischen Kirchengemeinde Erlöserkirche, liebe Mitchristen aus anderen Gemeinden, liebe Gäste, seien Sie herzlich willkommen zum Gottesdienst beim Altstadtfest!
Es ist ja inzwischen schon Tradition, einen ökumenischen Gottesdienst zu feiern, was wir natürlich auch gerne miteinander tun.
Wir haben heute auch besondere Gäste unter uns. Es sind dies Gäste aus Asien. Ich hatte Gestern das Vorrecht sie in einer einstündigen Unterredung zu empfangen und ein wenig kennen zu lernen. Es sind dies Mr. Sivin Kit, aus Kuala Lumpur (Malaysia), Pastor of the Lutheran Church, Mr. Daniel Ma, Mitarbeiter of Chines Christian Council (ccc), in Shanghai, China, Joseph Sun, Pastor and Assistant Dean am Theologischen Seminar in Fujian, China.
Die Speisung der Fünftausend nach Mk.6,35-44
(Mt 14,13-21; Lk 9,10-17; Joh 6,1-13; )
30 Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.
31 Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen.
32 Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein.
33 Und man sah sie wegfahren, und viele merkten es und liefen aus allen Städten zu Fuß dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor.
34 Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und [a]sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing eine lange Predigt an.
35 Als nun der Tag fast vorüber war, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Es ist öde hier und der Tag ist fast vorüber;
36 lass sie gehen, damit sie in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich Brot kaufen.
37 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Und sie sprachen zu ihm: Sollen wir denn hingehen und für zweihundert Silbergroschen Brot kaufen und ihnen zu essen geben?
38 Er aber sprach zu ihnen: Wie viel Brote habt ihr? Geht hin und seht! Und als sie es erkundet hatten, sprachen sie: Fünf und zwei Fische.
39 Und er gebot ihnen, dass sie sich alle lagerten, tischweise, auf das grüne Gras.
40 Und sie setzten sich, in Gruppen zu hundert und zu fünfzig.
41 Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie unter ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle.
42 Und sie aßen alle und wurden satt.
43 Und sie sammelten die Brocken auf, zwölf Körbe voll, und von den Fischen.
44 Und die die Brote gegessen hatten, waren fünftausend Mann.
Liebe Gemeinde,
Ich weiß nicht, wie Sie diese Geschichte aus der Bibel hören. Den meisten wird sie bekannt sein. Und schon beim Vorlesen tritt der Aha-Effekt ein: "Kenn ich ja schon!" Lassen Sie uns, trotzdem wir sie kennen, einige Minuten hinschauen und fragen, ob sie uns nicht doch etwas zu sagen hat.
Alle vier Evangelisten haben diese Geschichte in ihrem Repertoire. Und sie schildern die Ausgangssituation sehr einheitlich. Nämlich: Es war Zeit sich eine Weile Ruhe zu genehmigen.
"Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. 31 Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen. 32 Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein."
Der Ansturm auf Jesus und seine Apostel war also so groß, dass sie eine Ruhephase brauchten. Doch die Menschen beobachteten wohin Jesus u. seine Jünger gingen, und sie folgten ihnen. Es war fast wie eine Art Fangemeinde. Sie reisten ihm nach und kriegten nicht genug davon. In unserem Bibeltext ist die Rede von 5000 Menschen ohne Frauen und Kinder (nach Johannes). Man hat eben wie das damals üblich war, wieder mal nur die Männer gezählt.
Bei uns wären die Zahlen der GD-Besucher noch geringer, würde man nur die Männer zählen. Was würden wir als Kirche denn machen ohne unsere Frauen? Und wie zukunftslos wären unsere Kirchen ohne Kinder? An dieser Stelle möchte ich allen Frauen in unseren Gemeinden einmal herzlich danken für ihren unermüdlichen Einsatz. Für ihre Kirchengemeinde, und in den Häusern und Familien, für ihre Arbeit in der Erziehung der Kinder, und ich hoffe die Männer unterstützen sie kräftig!
Vor einigen Wochen nahmen meine Frau und ich unseren vier-jährigen Enkel 10 Tage mit in den Urlaub. Wir haben viel unternommen während des Tages. Und am Abend vor dem Zu-Bett-Gehen erzählte ich ihm biblische Geschichten. Eine der eindrücklichsten Geschichte war für ihn die Geschichte von der Arche Noah. "Opa erzählst du mir wieder die Geschichte, wo der Gott gesprochen hat!"
Liebe Väter und Mütter, liebe Großeltern, bevor Sie ihren süßen Kleinen einen eigenen Fernseher ins Kinderzimmer stellen, versuchen sie es mal mit dem Erzählen biblischer Geschichten. Wie sollen sie sonst erfahren, dass Gott auch HEUTE noch zu uns Menschen spricht?! Liebe Gemeinde, das muss es wohl auch gewesen sein, bei den Menschen am See Genezareth, dass Sie gespürt haben, wenn Jesus zu uns redet - dann spricht Gott zu uns. Und seine Worte sind Worte des Lebens!
Interessanterweise wurden sie auch nicht abgeschreckt von der Länge seiner Predigt. Im Vers 34 heißt es "Und er fing eine lange Predigt an!" Und es wurden immer mehr, und sie gingen auch NICHT nach Hause, etwa weil 12 Uhr war. Sie blieben einfach da! Den ganzen Tag lang. Bis irgendwann die Apostel anfingen, die sog. HAUPTFRAGE zu stellen. Nämlich die Frage nach der Verpflegung. Wer schon einmal ein größeres Fest organisiert hat, der weiß, wie viel Aufwand damit verbunden ist, nur für 50 oder 100 Personen Essen zu organisieren. Und erst für 5000? Und mit Frauen und Kindern waren es bestimmt zehn- oder fünfzehntausend - oder mehr. Und während die Jünger Jesu sich mit ihrer Hauptfrage beschäftigten, und diese auch an Jesus stellten, beschäftigte dieser sich mit der Hauptantwort. Er erteilt ihnen eine Lektion.
Darin, meine lieben Schwestern und Brüder, liegt für uns heute in unserer Lage eine Lernmöglichkeit. Wenn wir diese Lektion begreifen, könnte sie die Wende bedeuten für unsere ständige Beschäftigung in unseren Verantwortungsgremien mit der sog. Hauptfrage. Egal ob es der Kirchenvorstand ist, oder der Pfarrgemeinderat, ob es der Stadtrat ist oder der Kreisrat, ob Landtag oder Bundestag. Ob Tarifpartner Arbeitgeber oder Arbeitnehmerseite. Alle beschäftigen sich das ganze Jahr mit der Hauptfrage.
Die Frage nach der Verpflegung steht für die vielen gleichartigen Fragen, wie:
Die Antwort darauf enthält nämlich auch die dringend notwendigen Voraussetzungen für den Frieden. Die Lektion, die wir von Jesus lernen dürfen liegt in seiner Antwort, und sie ist eine vierfache:
1. Er weist seine Jünger an: "Schaut nach was da ist!"
Das ist das eigentlich wunderbare, dass Jesus nicht etwa Semmeln vom Himmel regnen lässt, sondern alle mit einbezieht. Zu schauen "was da ist", heißt nichts anderes als erst mal die eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen. Und ich bin sicher, während die Jünger schauten was da ist, haben auch ALLE ANDEREN 4988 (+ Frauen u. Kinder) geschaut was da ist.
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freundinnen und Freunde, was würden wir für einen Reichtum haben, und was für eine Fülle von Gaben zusammenbringen, wenn wir nur die Hälfte von dem auf den Tisch legen würden, was da ist, geschweige denn alles.
2. Er gibt organisatorische Anweisungen.
Nämlich sich in Gruppen von 50 oder 100 niederzulassen. Auch dieser Teil gefällt mir in unserer Bibelgeschichte. Es zeigt mir, dass Jesus auch die Notwendigkeit von Organisation und Struktur erkannt hat und sie praktiziert. ABER! er kommt mit einem MINIMUM aus! Auf diesem Hintergrund heißt das, es wäre jegliche Bürokratie, und Gesetzgebung zu überprüfen nach ihrer Sinnhaftigkeit. Und zwar sowohl in unseren Kirchen, als auch im Staat. (Beispiel: Neuer Sozialhilfebogen 17 Seiten und dazugehörige Erklärungen 50 Seiten!)
3. Er lässt sich bringen "was da ist", spricht ein Dankgebet, und erbittet Gottes Segen für die vorhandenen Gaben.
Liebe Gemeinde, die Erkenntnis, dass alles was da ist keine Selbstverständlichkeit ist, und man dafür auch dankbar sein kann, sowohl gegenüber den Menschen, als auch gegenüber Gott, diese Erkenntnis ist offenbar vielen abhanden gekommen.- Nahrung Kleidung, ein Dach überm Kopf, Arbeit, Kinder,
Alles Gründe für Dankbarkeit, für alles "das was ist", Gründe ohne Ende. Man kann auch für Krisen dankbar sein. Das haben Sie wohl noch nie gehört. Was? Dankbar sein für Lebenskrisen. Doch das kann man! Wissen Sie auch warum? Weil dies die wichtigen Situationen im Leben sind die uns wirklich in unserer Entwicklung weiter bringen.
Alles was ist zusammen bringen im Gebet dafür danken, und um Gottes Segen bitten. Von Jesus heißt es, er nahm die Gaben "sah zum Himmel und dankte!". Es ist der Blick zum Himmel voll Dankbarkeit für alles was ist, und voller Erwartung des Segens Gottes, also der freundlichen Begleitung durch den allerhöchsten, wenn es darum geht die weiteren Schritte zu tun. Darauf kommt es an!
Liebe Schwestern und Brüder, bei diesen Schritten im Leben, wollen wir als Kirchen Sie begleiten in Ihrem Alltag. Ihre Kirchengemeinde ist ein Ort wo man Dankbarkeit im Gebet einüben kann,
- wo man Anliegen mit Bitten und Flehen vor Gott bringen darf, wo man das Gefühl haben darf nicht alleine unterwegs zu sein. - Wo man auch in Lebenskrisen einander mit Rat und Tat zur Seite steht. - Und wo man den Segen Gottes erwartet und zugesprochen bekommt.
4. Er weist seine Jünger an: Und jetzt teilt aus.
Und noch während die Aktion läuft geschieht das was wir ein Wunder nennen. Ergebnis:
Das Wunderbare an diesem Wunder ist nicht etwa ein übernatürlicher Eingriff durch eine Art Zauberei, sondern, dass da, wo Menschen sich auf Jesu Wort einlassen und wirklich das tun was sie können, Gott seinen Segen dazu gibt, dass wir aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen.
Vor fast 25 Jahren war ich noch im Theologiestudium und war zu einem mehrwöchigen Praktikum hier in Fürstenfeldbruck. Es war die erste Knderbibelwoche die ich miterlebte. Ich habe damals von Hannelore Richter ein Kinderlied gelernt und mit den Kindern gesungen, das ich nie vergessen habe.
"Als Jesus in der Wüste war da war'n fünftausend Menschen… ..denn Brot das man mit anderen teilt wird wunderbar sich mehren…"
Und in einem anderen Vers heißt es: "Ich weiß nicht was ein Wunder ist, mir wird nur langsam klar, ja klar, wenn alle etwas teilen, dann ist ein Wunder da!
Und der letzte Teil jener "Hauptantwort" ist in unserer Bibelgeschichte INSGESAMT enthalten. Jesu Antwort auf den Hunger der Menschen ist nicht nur die wunderbare Brotvermehrung.Nein, er ist es selber um den es geht! Jesus Christus, in seinem Wort und Sakrament ist Nahrung für unsere Seele. Der unstillbare Hunger unserer Seelen, der nur befriedigt werden kann durch die Begegnung mit ihm. Deshalb liebe Männer und Frauen, lassen Sie sich einladen von Ihren Kirchengemeinden, lassen sie uns gemeinsam die Schätze neu entdecken, die in unerschöpflichem Reichtum seit Jahrtausenden in seiner Kirche vorhanden sind, und als Brot des Lebens den Hunger und Durst unserer Seelen stillen können.
Lassen Sie uns diesen Reichtum unserer geistigen und kulturellen Wurzeln immer wieder dankbar empfangen, und mit unserer jungen Generation teilen. Ich bin sicher, es werden ALLE satt werden, und es bleibt genug übrig für den nächsten Tag.
Mehr brauchen wir nicht.
Amen.