Bericht der Fürstenfeldbrucker SZ vom 14. März 2006 zum Passionskonzert in St. Magdalena, mit Matthias Dreißig (Orgel) und dem Ökumenischen Motettenchor unter der Leitung von Roland Muhr:
Fürstenfeldbruck · Ein Passionskonzert, wie das vom Sonntag zur Eröffnung der 16. Fürstenfelder Bach-Tage in St. Magdalena, vertieft die geistliche Botschaft der Wochen vor Ostern. Wenn dann zwölf Werke auf dem Programm stehen, und damit genau so viele, wie Jünger mit Jesus das letzte Abendmahl feierten, ist das einer Zahlenmystik Johann Sebastian Bachs nicht fremd. Zu hören war der Ökumenische Motettenchor, eine Chorgemeinschaft der Pfarrei St. Magdalena und der Erlöserkirche unter der Leitung von Roland Muhr. Etwa vier mal so viele Sängerinnen und Sänger wie Jesus Jünger hatte, standen im Altarraum der Pfarrkirche. Matthias Dreißig, Kirchenmusikdirektor der Predigerkirche Erfurt, musizierte an der Ott-Orgel.
Auch die Komponisten des Konzerts verkörperten eine ökumenisehe Dimension: Chorsätzen von Johann Michael Haydn, dem Domorganisten im katholischen Salzburg und jüngeren Bruder von Joseph Haydn, standen ebensolche des protestantischen Leipziger Thomaskantors Bach gegenüber.
Schöne Spannungsbögen entwiekelten sich im homophonen Eingangssatz; von Haydn "Lass mich deine Leiden singen". Wie für den klassischen Stil typisch, beherrschte eine oberstimmengeführte, anmutige Melodik auch die folgenden Chorstücke des gleieben Meisters, "Hier liegt vor deiner Majestät" und "Betrachtet ihn mit Schmerzen". In gemessenem Tempo geriet die Textverständlichkeit durch deutliche, aber nicht übertriebene Deklamation sehr gut; zunächst überraschend, doch für die Epoche durchaus kennzeichnend war auch, dass die Schmerzbetrachtung im zweiten Satz mit sehr "angenehmen" Klängen verbunden war.
"Aus tiefer Not schrei ich zu dir", dieser bekannte Bach-Choral ,war thematisch geschickt vor den Satz "Da Jesus an dem Kreuze stund" gestellt, in dem sich aus der linearen Entwicklung der einzelnen Stimmen ein harmonisches Ganzes ergab. Anspruchsvoll waren zwei Chorstücke Michael Haydns auf lateinische Texte, "Jesu, redemptor omnium" und "Christus factus est" in denen er auf kom positorische Techniken vergang ner Jahrhunderts setzte: Fugierte Einsätze mit größerer Eigenständigkeit der einzelnen Stimm prägten den Verlauf.
Dreißig überzeugte in seinen Orgel-Solobeiträgen durch sinnfällige Registrierung und einfallesreiche Phrasierung. So gelangen das spielfreudige Präludium und die auf einem Thema mit gleichem Gestus basierende Fuge BWV 543 treffend. Sehr bedächtig und in feierlicher Stimmung zelebrierte er die große Passacaglia in c-moll als grandioses Variationswerk. Statt des Applauses zum Schluss läutete die große Kirchenglocke - als Symbol für die Besinnlichkeit der Konzertstunde.