Bericht des Fürstenfeldbrucker Tagblatts vom 14. März 2006 zum Passionskonzert in St. Magdalena, mit Matthias Dreißig (Orgel) und dem Ökumenischen Motettenchor unter der Leitung von Roland Muhr:
Fürstenfeldbruck - Das Passionskonzert in St. Magdalena leitete die Fürstenfelder Bach-Tage ein. Den Ökumenischen Motettenchor (die Chöre der Pfarrei St. Magdalena und der Erlöserkirehe) leitete sein Gründer Roland Muhr, Matthias Dreißig von der Predigerkirche Erfurt spielte an der Orgel. Orgelwerke Johann Sebastian Bachs wechselten mit A-cappella-Sätzen von Joseph Haydns Bruder Johann Michael Haydn.
Dieser wurde 1763 "Hofmusicus und Concertmeister" in der Hofkapelle des Fürsterzbischofs von Salzburg und dazu 1781 Hof- und Domorganist. Vor dem Altar platziert begann der große Chor mit dem Satz "Lass mich deine Leiden singen". Aus einer ebenfalls eingängigen, volkstümlich gehaltenen deutschen Singmesse, von Haydn um 1797 nach dem Landshuter Gesangbuch von 1777 mit Melodien eines Chiemseer Stiftskantonikus neu vertont, erklang der Titelsatz "Hier liegt vor deiner Majestät im Staub die Christenschar". In ausgewogenem Verhältnis erreichten die vier Stimmgruppen innigen Ausdruck, Wohlklang, der die Trauer des folgenden Satzes "Betrachtet ihn mit Schmerzen" milderte.
Als Weiterführung des Passionsgedankens war der Satz "Aus tiefer Not schrei ich zu Dir" aus dieser Choralkantate Bachs nach Luther von ergreifender Wirkung. Bachs ebenfalls auf die Luther-Zeit zurückgehenden Satz "Da Jesus an dem Kreuze stand" leitete der Organist als Choralvorspiel ein, das der Chor fortsetzte. Dieser verdeutlichte Haydns Bedeutung bei kunstvoll angelegten lateinischen Stücken der auf Palestrina fußenden Tradition. Jesus wird hier als Erlöser aller Menschen und als Leidender, letzteres zur Liturgie des Gründonnerstags, gewürdigt.
In der Tradition Frescobaldis
An der Ott-Orgel begann Dreißig mit der Canzona d-Moll. Gemächlich, dann schneller und aufgehellt schilderte er Bachs ernste Fuge als Weiterentwicklung von Formen Frescobaldis. Bei BWV 543 wählte er Register, die das Präludium als verwandt mit Toccaten und Improvisationen im "fantastisehen Stil" zeigten und die Fuge als gut ausbalanciert. Er endete mit einer insbesondere auch in den Klangfarben beeindruckenden Wiedergabe der großartigen Passacaglia c-Moll mit ihren zahlreichen Variationen. Feierlich stimmte der Chor nun Haydns Karfreitagslied von der Finsternis an, "Tenebrae factae sunt". Danach wurde die große Kirchenglocke geläutet.